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Guten Abend, besser als Guten Morgen, vielleicht ist auch beides Gut, herzlich Willkommen bei meinem Blog - dem Versuch, dem Buchhändlerischen Alltag ein bisschen mehr Witz aus der monetären Misere zu locken.

Seien Sie Willkommen beim BuchamJosephsplatz. Seit 10  Jahren trotze ich dem Internethandel, den Filialisten und bemühe mich redlich, meinen treuen Stammkunden alles nur erdenklich gute an Literatur zu empfehlen und hoffe, dass es gut ankommt.

Bis dato  funktioniert es, wie wohl ich in der Umgebung doch einige Amazon Pakete feststelle, die aufgrund der Gewichtigkeit nicht nur Fernseher und andere Elektronik beinhalten.

Heute hat Carel Hallff der Geschäftsführer von Weltbild mitgeteilt, daß es dem Buchhandel ausserordentlich gut geht: Herr Halff, Sie irren sehr. Es mag Weltbild gut gehen, dem stationären Buchhandel geht es nicht gut, weil alle Firmengeschäfte über den Internethandel gehen, kaum ein Rechtsanwalt, ein Architekt mehr seine Bücher über den Buchhandel bestellt, kaum ein Bauherr das mehr darüber tut, sondern sich direkt über Internet besorgt. Umsomehr danke ich der Kanzlei, die die Rechtsratgeber nun bei mir bestellen und einige andere, die die Praktiken von Amazon nicht gut finden. Ich danke all denen, die den Weg in die kleinen Buchhandlungen finden und auch schätzen.  

 

Alter: 57
 


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Blog

Key Accountler im Buchhandel

Da kam er, der Keyaccountler eines Special Interest Verlages: eine seltsame Begegnung. Er, gelernt im Buchhandel, seit vielen Jahren in Verlagen tätig und vertrat die Meinung, dass es bei kleineren Buchhandlungen sich eigentlich nicht lohne, ein Vertreterteam sowieso nicht, man könne das alles eigentlich auch per Telefontermin erledigen.Sprich Beratung seitens des Verlags am Telefon, der Kunde, sprich ich, bestelle dann so.

Auf die Frage, wie dies bei einem "ein -Frau-Betrieb- funktionieren solle, meinte er, dann könne ja der/die Buchhändlerin das Telefon zur Seite legen und erstmal bedienen, wenn dann ein Kunde da sei. 

Auf die Frage, daß ein Gespräch und die Beratung eines Kunden nicht absehbar sei und vielleicht auch Kunden anrufen würden und die Beratung vielleicht ein wenig länger dauern würde, beantwortete er nicht mehr.

Den Verlag, den dieser Key-Accountler vertritt hat viele Bücher, die man sich durch Maquetten auch erstmal ansehen möchte, entsprechen sie den Vorstellungen, die ich von meinen Kunden habe, sprich wollen meine Kunden diese Bücher? Sind sie geschmackvoll gemacht, entspricht das Papier, die Fotos den Vorstellungen. Sprich ich will mir für meine Kunden eine visuelle Vorschau bereiten.

Auf die Frage ob das denn nun per Telefon so ginge, wurde er ein bißchen stiller: ich möchte keinen Telefonverkauf. Das geht bei Reiseführern, wenn man die Marke kennt, das geht bei Landkarten, wenn man die Marke kennt, das geht bei Non-Books, wenn man die Marke kennt, aber nicht bei Belletristik, bei Kunst, bei Special Interest, bei vielen Verlagen, das funktioniert nicht. Da brauche ich den Menschen, der meine Buchhandlung kennt, der meine Einkaufsgewohnheiten kennt, der mich als Person kennt, denn ich als Person kaufe für Personen ein, die widerum ich kenne. 

Dies gilt auch für online-vorschauen der Verlage, ich brauche Papier, ich muss mir die Cover ansehen, den Text lesen und dies bitte auf Papier, ich kann es nicht online. Das gedruckte wird es immer weiterhin geben, der Mensch braucht das haptische, das was er in der Hand haben kann, denn nur das ist Besitz, Reichtum im geistigen Sinne. Alles was uns da in der virtuellen Welt gezeigt wird, wird erst Realität, wenn wir es anfassen können.Schmecken, riechen, fühlen können.

Ich sehe täglich den DHL-Fahrer vor der Türe: er bringt täglich Pakete, die online bestellt werden und täglich sehe ich ihn, wie er die gleichen Pakete wieder in Empfang nimmt, als Retoure.

Das alles kostet Geld, Nerven der DHL Fahrer, weil keiner zuhause ist, es kostet Benzin, es kostet mehr Zeit als notwendig und es schadet dem Einzelhandel.  je mehr online Handel durchgeführt wird, desto mehr werden die Innestädte veröden, ein lebendiges Viertel hat dann nur noch Ketten von Coffee Shops und überflüssigen Läden mit Gedöns aus Geschenkekram, den keiner mehr braucht.

Wollen Sie das? Mal abgesehen davon, daß dadurch unendlich viel Arbeitsplätze verloren gehen und sehr viele Leute auf der Strasse stehen. 

Buy local - ich finde jetzt leider keinen deutschen Begriff dafür: Aber kauft beim Händler um die Ecke, egal was es ist. Meidet Ketten, sofern es geht. Und unterstützt den Einzelhandel. Ob Glühbirne - es gibt sie noch die alte wunderbare -  das Gemüse, den Salat , das Buch, die Textilie - und in diesem Zusammenhang: 

Rettet Tamaras Jeans Shop in der Müllerstrasse 1 in München, der Laden muss dort bleiben.

Macht es gut, dies wars für heute, Eure Philine  

 

27.6.13 00:00, kommentieren

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Überraschungstüte 2

Tag 2 der Flutopferüberraschungstüte: nach 10 Jahren Buchhandlung hat man ja so seine Erfahrungen mit Kundenfragen, die z.Teil recht überraschend sind und eine gewisse Komik innehaben.

Am späten Vormittag kam eine Dame, vorher hatte sie auf die Überraschungstüten gesehen und startete das Gespräch mit: 

"Was ist den da drin in der Überraschungstüte?"

"Ja, Bücher sind drin, vier Stück, für 10 Euro, der Erlös geht an die inhabergeführten Buchhandlungen in den Überschwemmungsgebieten."

 

"Ah ja, und welche Titel sind in der Überraschungstüte"

.......

Ich hatte es befürchtet. 

 

 

 

 

13.6.13 20:54, kommentieren

Überraschungstüten für Flutopfer-Kollegen

Nachdem ich nun weiss, welche Inhabergeführte Buchhandlungen (keine Filialisten, keine Ketten) zu Flutopfern wurden, habe ich Überraschungstüten gepackt. In jeder Tüte befinden sich 4 Bücher, die ich bei der Inventur aussortiert habe. Die Tüte kostet 10 Euro.

Der Erlös der verkauften Tüten geht an das Sozialwerk des deutschen Buchhandels, welcher einen Nottopf für die betroffenen Kollegen aufgemacht hat. 

Die Aktion lief heute gar nicht schlecht an, spontan wurde sogar darüberhinaus ein Obulus in das Marmeladenglas gesteckt. Vielen Dank!

 

Wer auch immer möchte, der Vorrat an Tüten währt nicht ewig. 

Eure Philine 

12.6.13 19:50, kommentieren

Lehrer aus der Deutschen Schule Lissabon

Wolfgang Leilich ist Anfang Mai gestorben.

Der Name ist kein Omen, aber einer der Lehrer die ich bis ins Erwachsenenalter hoch geschätzt habe. Er hatte kein gutes Fach, Mathematik, da war ich schwach bzw. miserabel. Er war der einzige Lehrer bei dem ich Mathematik begriffen habe und es bedauert habe, ihn  als Lehrer nicht die gesamte Schulzeit gehabt zu haben.

Ich erinnere mich an das Schuljahr 1971/72 an der Deutschen Schule in Lissabon. Ein sehr liebenswerter Klassenkamerad Tomas M. , genannt Smutje, denn er war immer der Kleinste der Klasse, hatte seinen Vater verloren, wir waren um die 12-max 13 Jahre alt. Herr Leilich unser Klassenlehrer und Mathematiklehrer hat ihn angesprochen, als Smutje wieder im Unterricht war und ihm gesagt, er könne den Unterricht jederzeit verlassen. Tomas blieb sitzen.

ich weiss nicht, wie es ihm damals ging, wir waren Kinder. 

Im Juni vor drei Jahren haben wir uns wiedergesehen, nach 33 Jahren bei einem fulminanten übergreifenden Klassentreffen in Lissabon. Da war Herr Leilich gekommen, auf unsere Einladung, schmal, fragil, aber gesund, soweit. Und alle haben ihm attestiert, daß er der einzige Lehrer war, der uns Mathematik beibringen konnte und wir es wirklich verstanden. Meine Zeugnisse beweisen es. Ich hatte sogar mal eine 3 im Jahreszeugnis. Ein Wunder. Und Wolfgang Leilich war glücklich.

Nun hat er seinen 70igsten Geburtstag in Cascais, Portugal mit seiner Familie, seinen Kinder, seiner Frau noch erleben können, er ist am 7.Mai seinem Krebsleiden erlegen. Seine Asche wurde auf seinem Wunsch am Cabo da Roca in den Antlantik gestreut. 

Ich freue mich für ihn, daß er sein Lebensende in seiner zweiten Heimat verbringen konnte und mir noch mailte, daß das Hospiz in Portugal so wunderbar sei und er dort so wunderbar betreut würde, ohne Hetze, ohne: jezt müssen wir was waschen, pflegen etc. und er sich selbstbestimmt vorbereiten konnte. 

Lieber Wolfgang Leilich, Sie haben es richtig gemacht. Liebe Iracema, beijinhos, auch wenn wir uns nicht kennen. Er hat jetzt seinen Frieden. Danke für alles, 

Und damit ist wieder ein bißchen Kindheit/Schulgeschichte vorbei. Und es wird in die Annalen gehen. 

Gute Nacht, Ihre  Philine

 

 

 

 

 

10.6.13 23:50, kommentieren

Blogbeginn


Nachdem ich von der Kaltmamsell einen "heftigen" Anrempler bekam, ebenfalls von Sebastian, der seinen zukünftigen Giesinger Kommissar Koster auch mal in die Maxvorstadt schicken möchte, sehe ich mich nun gewissermassen gezwungen einen Blog zu schreiben. Er wird sich voraussichtlich mit Themata rund um den Josephsplatz bewegen, Branchenthemata beinhalten und Kuriosa rund um den Laden.

Gerne nehme ich Anregungen von Profi-Bloggern an und gerne auch Hilfe. 

 

Freitag, Samstag 8./9.Juni: 

nach gefühlten Monaten habe ich wieder vor dem Laden Position eingenommen, den kleinen Tisch rausgestellt, einen Stuhl, meine Zeitung, das Buch. Der erste Vertreter kam und wir konnten bei ausnehmender Ruhe - die Doppelbaustelle - Tiefgaragenaushub und Strassenbauarbeiten ruhten diese Tage - den Auftrag machen. Kiepenheuer & Witsch: ein neuer Frank Schätzing kommt im Herbst. Man darf gespannt sein, Inhalt ist noch nicht bekannt, nur soweit, daß es Politthriller sein wird. Ansonsten die bekannten Grössen bei Kiwi, neue Zadie Smith, Peter Härtling mit Erzählungen, und vieles weiteres.

 

Den neuen Roman von Perez-Revuerte, Dreimal im Leben, Insel Verlag, ET August, zu Ende gelesen. Spielt in den 30iger und 40iger Jahren in Frankreich, Spanien und Argentinien. Gut zu lesender Roman. Held und Verlierer ist ein Gauner, Spion, Eintänzer und  Hochstapler, der sich auf Kosten von den Reichen und Schönen der damaligen Welt ein einigermaßen einträgliches Leben ermöglicht.

 

Samstag Mittag wieder der gewohnte Blick: Rentnerinnen aus dem Viertel die schwatzend am Josephsplatz stehen und die Unsinnigkeit des Tiefgaragenbaus kommentieren. Allesamt ältere Frauen ohne Auto, d.h. ohne Parkplatznot. 

Ein Argument hat mich besonders beeindruckt: "Mei, wozu die Tiefgarage guat sei so soi, da kafft ma sich hoit a MVV Ticket und kummt ah in die Innenstadt"

Frau B: " Ja, und wenn ma dann woandast hi muass und a Auto braucht?"

Frau A:  "Ja, dann kafft ma si hoit des Oberbayernticket"

Frau B: " Und wenn da koa Bahnhof is?"

Frau A: " Ja mei, dann muass hoit schaugn, wie ma hikummt, aber des geht a ohne Tiafgaragen"

Ich liebe diese Logik.

 

 

 


 

1 Kommentar 9.6.13 22:05, kommentieren